Warum ich auf Facebook bin

Facebook-Logo-ChangeEinige Male wurde ich mittlerweile gefragt, warum ich denn jetzt auch auf Facebook bin. Gerade ich, wo ich doch schon bestimmt seit 10 Jahren die totale Überwachung predige und mich bis vor kurzem standhaft gegen Facebook gewehrt habe.
Die, die mich und meine Gesinnung näher kennen, haben sich vermutlich eines der beiden folgenden Dinge gedacht.

a) Jetzt hat er resigniert, oder
b) jetzt sind die Sicherungen endgültig durchgebrannt.

Beides falsch. Obwohl letzteres doch zu einem gewissen Grad stimmt. Auslöser dafür war der heurige 30C3, der 30. Chaos Communication Congress in Hamburg, der wichtigste Event des Jahres. Martin Leyrer hat auf seinem Blog im Artikel „30c3 – Hacker ohne Hoffnung“ die Stimmung vieler Kongressteilnehmer, und somit auch meine, nach dem Kongress perfekt auf den Punkt gebracht:

»Und so lustig, cool und unterhaltsam der Congress auch war, so schwang auch immer diese Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit durch. Der Gegner scheint übermächtig, die Öffentlichkeit desinterressiert und eine brauchbare, massentaugliche technische Lösung gegen die Überwachung duch extraterritoriale oder „lokale” Entitäten in weiter Ferne.«

Ich habe also beschlossen mehr zu tun, denn verlieren gehört nicht zu meiner Einstellung. Obwohl derzeit die, die uns kontrollieren und ausspionieren (wollen) die Nase vorne haben in diesem Monopoly um Freiheit und Überwachung, bin ich noch immer überzeugt, dass es nicht vorbei ist. Wir (das Volk) sind deshalb ins Hintertreffen gekommen, weil die Zahl der Mitstreiter zu gering ist. Allein kann man keinen Krieg gewinnen (außer der). Und der Grund dafür ist, dass die meisten von uns (dem gemeinen Volk) keine Ahnung von dem haben, was da abgeht.1 Es fehlt die politische Bildung und das ist unser (der Wissenden) und somit auch mein persönlicher Auftrag!

Wir brauchen mehr (netz-)politische Aufklärung!

Unter politischer Bildung verstehe ich nicht, dass man sämtliche Minister usw. mit Namen kennt, sondern das Vorhandensein eines einfachen, grundlegenden Verständnisses der Zusammenhänge und Auswirkungen gewisser politischer Entscheidungen und (leider oft leerer) Wahlsprüche, um das einfachste Instrument der Demokratie richtig bedienen zu können: die Wahl!

Fast jeder kennt und benutzt das Internet heute. Vorallem die Jüngeren lieben das Internet sogar, so wie es derzeit ist. Und alle wären verzweifelt, wenn man dieses Internet beschneidet, einschränkt, abschafft.

Immer wieder gehen Politikerinnen und Politiker mit abgedroschenen Themen auf Wählerstimmen fang: „Ausländer rein — Ausländer raus“, „Steuern heben — Steuern senken“, usw. Viele sind von diesen Themen betroffen und wissen (oder glauben es zumindest) was das für sie bedeutet.

Was die meisten derzeit leider noch nicht wissen ist, was z.B. „Vorratsdatenspeicherung“ oder „Netzneutralität“ bedeutet. Es wird die Zeit kommen (hoffentlich), dass die Bürger aufmerksam zuhören, wenn Politiker vom Internet sprechen. Denn wenn nicht, dann welcome back to the future in 1984.

Und deshalb bin ich auf Facebook. Weil ich hier viele Menschen aus meinem näheren und ferneren Umfeld erreiche. Und in diesem Punkt ist mir egal, wer da im Geheimen „mithört“. Und aus welchen Kanälen ich Bombenbauanleitungen beziehe ohne dass die es mitbekommen, weiß ich 😛

  1. Leider haben die meisten Politikerinnen und Politiker auch keine Ahnung von Netzpolitik, weshalb sie den Lobbyisten auch völlig unterlegen sind.