Darknets für Dummies

image.img.pngDer Begriff „Darknet“ ist eine Schöpfung der Medien und ist in letzter Zeit wieder öfters vorgekommen. Dieser Artikel erläutert, was sich dahinter eigentlich in Wahrheit verbirgt.

„Darknet“ bedeutet soviel wie „finsteres“ (wortwörtlich) oder „verborgenes Netzwerk“ und ist in der Öffentlichkeit durch einen Drogen-Online-Shop namens „Silk Road“ im Jahr 2013 erstmals auf breiterer Ebene aufgetaucht. Erst kürzlich wurde wieder ein mutmaßlicher Betreiber einer solchen Plattform festgenommen,1 wodurch die „Darknets“ in der täglichen Berichterstattung wieder gepusht wurden.

Was ist ein „Darknet“?

Gemeint sind damit im Normalfall sogenannte Anonymisierungsnetzwerke. Sehr vereinfacht ausgedrückt kann man damit anonym surfen. Das Wort „anonym“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Beobachter oder Überwachungs- bzw. Abhörorgan, also jemand, der die Datenpakete im Internet beobachtet (z.B. Internet-Provider, Staat, Militär, Geheimdienst,…), nicht feststellen kann, um wen — genauer gesagt um welche IP-Adresse — es sich dabei handelt. Dadurch, dass man keine IP-Adressen feststellen kann, kann man auch nicht den Ort desjenigen herausfinden.2 Manchmal wird auch der Begriff „Deepnet“ verwendet, es war auch schon die Rede von „Tor-Netwerken“. Letzeres ist allerdings ein absoluter Schwachsinn und zeugt von überragender Unwissenheit, denn Tor ist der Name eines ganz bestimmten Netzwerkes. Es gibt daher nur ein einziges.

Wozu gibt es Anonymisierungsnetzwerke?

Anonymisierungsnetzwerke sind Werkzeuge des Friedens. Durch sie können Menschen miteinander über das Internet kommunizieren, ohne dass Sie befürchten müssen beobachtet (d.h. überwacht) und in Folge für ihre Aussagen und Tätigkeiten von Exekutive, Militär oder Geheimdiensten zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das kann in manchen Ländern dieser Erde sogar die Todesstrafe bedeuten. Anonymisierungsnetzwerke ermöglichen Menschen, die in volksunterdrückenden Regimen (z.B. China), oder  unsicheren und gefährlichen Krisen- bzw. Kriegsgebieten (z.B. Afghanistan, Syrien,…) leben, den Zugang zum freien Internet und damit zu realen und nicht durch Propaganda geschönten Informationen auf der Welt. Umgekehrt ist oft nur durch Anonymisierungsnetzwerke eine unabhängige Berichterstattung aus solchen Gebieten möglich, und Vieles würde gar nicht bekannt werden, gäbe es nicht die Möglichkeit zur Nutzung solcher Werkzeuge.

Warum werden sie als „Darknet“ bezeichnet?

Der Begriff „Darknet“ ist negativ behaftet. Er suggeriert den Eindruck von mysteriösen und illegalen Aktivitäten. „Dark“ bedeutet „finster“, „dunkel“, evtl. auch „schwarz“, so wie „Schwarzmarkt“, oder „Schwarzarbeit“, beides ebenfalls illegale Dinge. Warum werden also Friedenswerkzeuge mit einem so negativen Begriff betitelt? Vermutlich gibt es dafür zwei Gründe.

  1. Das Offensichtliche: Die BerichterstatterInnen haben sich kaum oder wenig darüber informiert und/oder es übersteigt ihre durchschnittliche Vorstellungskraft in Bezug auf technologische Weiterentwicklungen, Möglichkeiten und Veränderungen. Vermutlich übersteigt es auch das technische Verständnis, und wenn man etwas nicht versteht muss es ja schlecht sein…
  2. ueberwachungBackstage: Anonymisierungsnetzwerke verwenden sehr effektive Methoden zur Überwachungsabwehr. Überwachung ist aber ein Machtinstrument zur Kontrolle der StaatsbürgerInnen und wird daher von jedem Staat in gewissem Maße eingesetzt, ganz besonders aber natürlich von Diktaturen.3 Es ist daher grundsätzlich nicht im Sinne eines Staates, wenn derartige Tools verwendet werden, weil man dadurch die Tätigkeiten der BürgerInnen nicht mehr überwachen kann. Als Überwacher kann man kann jetzt entweder versuchen mit erheblichem technischen Aufwand die Funktion solcher Netzwerke zu unterbinden,4 oder man bringt die BürgerInnen dazu, diese Netzwerke gar nicht zu benutzen, in dem man sie durch entsprechende Propaganda mit einem negativen Beigeschmack behaftet: „Das ist böse, das tut ein braver Bürger nicht.“.

Fazit

Anonymisierungsnetzwerke dienen der freien und unüberwachten Kommunikation von Menschen auf der Erde. Es ist ein Faktum, dass es kein System gibt, das nur Vorteile hat. Anonymisierungsnetzwerke können für illegale Aktivitäten missbraucht werden. Aus diesem Grund, mangelndem technischen Verständnis und vermutlich auch bewusster Streuung von falschem Wissen werden Anonymisierungsnetzwerke oft als „Darknets“ bezeichnet. Dass das Leben von Millionen von Menschen aber von diesen Netzwerken abhängt, wird leider oft nicht dazugesagt.

Die bekanntesten Anonymisierungsnetzwerke sind Tor und I2P, auf deren Seiten sich weitere Informationen über Verwendung und technische Hintergründe finden.


 

  1. Silk Road 2.0: FBI nimmt mutmaßlichen Betreiber fest
  2. Sollte man sich über ein solches Netzwerk bei z.B. Facebook mit dem richtigen Namen anmelden, ist man natürlich nicht mehr als Person anonym. Es ist dann aber trotzdem nicht feststellbar, wo man sich auf der Welt befindet.
  3. Je mehr ein Staat sein Volk überwacht, desto mehr nähert sich die Staatsform der Diktatur an.
  4. Das wird in z.B. China, oder Afghanistan versucht, wäre aber in Westeuropa derzeit (noch?) undenkbar, da das polizeistaatliche Methoden sind.